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PferdesteuerPferdesteuer - sichere Einnahmequelle für leere Gemeindekassen?

Überschuldete Städte und Kommunen prüfen derzeit jede Einnahmequelle. So wird auch die Pferdesteuer wieder diskutiert. Sie verspricht schnelle Einnahmen aus vermeintlich gut gefüllten Taschen. Reitsportverbände und Pferdehalter protestieren massiv dagegen.

 



Allein sportlich-sozial Aspekte sprechen schon dagegen. Reitsport ist seit Jahrzehnten Breitensport. Angebote rund ums Pferd erreichen heute mit neuen Ausbildungsansätzen eine Vielzahl von Kindern, die wichtige Bewegungserfahrungen machen, Natur erleben und Verantwortung tragen lernen. Viele davon finden im Pferd einen unvergleichlich starken Partner, der sie sicher durch die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens begleitet. Reittherapie erzielt bei vielen Gesundheitseinschränkungen Erfolge. Reitbetriebe werden häufig privatwirtschaftlich geführt und sind steuerpflichtig. Weitere Steuern auf das „Arbeitsmittel Pferd“ machen deren Angebote für die breite Masse unerschwinglich und werden viele Betriebe ruinieren. Vereine werden aus öffentlichen Kassen für ihr soziales Engagement gefördert. Da würde besteuert, was als förderwürdig gilt: was für ein Widerspruch!

Auch mittelfristige Steuerauswirkungen bleiben unbeachtet. Pferdehalter kratzen wegen ihrer Pferdeliebe oft an den Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten und sparen an anderer Stelle. Nur wenige bezahlen den Reitsport aus der Portokasse. Viele ziehen bewusst aufs Land. Die Mehrheit der Pferde steht in Kleinanlagen, wo selten mehr als 250 Euro Einstellkosten monatlich anfallen. Dazu kommen Ausgaben für Beschlag, Medikamente, Ausrüstung etc. Viele werden ihre Pferde abgeben müssen, wenn Steuern bis zu 750 Euro jährlich pro Pferd erhoben werden. Oft liegt die Schmerzgrenze weit darunter. Schmiede, Tierärzte, Reitsportanlagen, Ausrüster, Züchter, Landwirte und ländliche Gemeinden mit sinkender Bevölkerungszahl werden das zu spüren bekommen. Letztere sollten in einer Welt stetig steigender Kraftstoffpreise jeden pendelwilligen Pferdehalter auch ohne Pferdesteuer wertschätzen. Ohne Vierbeiner sind Stadt- und Arbeitsplatznähe deutlich attraktiver.

Wer Gewinne aus der Pferdesteuer erwartet, sollte sie den Steuerverlusten aus dem anhängenden Gewerbe und sich auf Dauer verringernden Einwohnerzahlen gegenüberstellen. Ist die Pferdesteuer dann noch eine sichere Einnahmequelle? Es ist wünschenswert, dass die betreffenden Kommunen diese Grundlagenforschung einer aktionistischen Steuererhebung vorschalteten.